// JEREMIE JEAN-FERDINAND MARET //

Von Monica Pozzi, 6. July 2017

KUNST BRAUCHT KAPITAL – Die Uhr tickt. Morgen, Freitag, 7. Juli, um 16 Uhr ist Schluss. Wer noch einen originellen WC-Rollenhalter sucht, muss schnell zuschlagen.

Während der «Art Basel» installierte sich der Schweizer Konzeptkünstler und Galerist Jeremie Jean-Ferdinand Maret gegenüber der «Liste». Im weissen Bademantel mit nassem Haar schrie er sich wie auf einem Jahrmarkt die Kehle aus dem Hals: «Damien Hirst For Sale!…»

Im Galerieraum gab es wenig zu betrachten. “Mein Hauptthema ist Kritik am kapitalistischen Kunstmarkt, der die Kunstwelt komplett kompromittiert. Künstler machen nicht mehr einzelne Werke, sondern produzieren auf Anweisung von Galerien am Laufmeter. Mein Ziel ist die Entblössung des reinen Materialismus. Käufer suchen, was farblich zum Sofa passt. Ich bringe nun das Werk, das zur Toilette passt,” erklärt Maret. Sein Werk zeigt den reichsten Künstler der Welt Damien Hirst (Hai im Tank) auf der Toilette. In Basel gab es nur eine Konzeptzeichnung der Actionfigur zu sehen.

Maret steht finanziell das Wasser bis zum Hals. Seit Februar ist er Gastkünstler im «Swatch Art Peace Hotel» am Bund in Shanghai. Allein und pleite in einer neunzig Quadratmeter grossen Luxussuite auf der verglasten Toilette kam ihm die bestechende Geschäftsidee. Er stellte sich vor, wie der reiche Hirst selbst gelangweilt auf der Toilette sitzt und sich überlegt, was er mit seinem Geld anstellen soll. Fünfzig Millionen Pfund hat Hirsts Comeback an der Biennale in Venedig nach Schätzungen gekostet. Für den Erfolg im Kunstmarkt braucht es Geld, viel Geld!

Als Mitarbeiter international renommierter Galerien sah Maret während der letzten Jahre hinter die polierte Fassade des geldgierigen Kunstmarkts. Fälschungen, Schmuggel, illegale Geldtransporte sind offenbar an der Tagesordnung. Marets Aktion hat auch einen therapeutischen Aspekt. “Es war extrem befreiend in Basel einfach einmal rauszuschreien, was mich seit Jahren beschäftigt und ärgert. Und es war unglaublich schön zu sehen, wie viele Leute den Galerieraum mit einem Lachen im Gesicht verlassen haben. Es war eine Aktion, die das Problem mit Humor angeht.”

Die geplante Kunstharzfigur zeigt Damien Hirsts Kopf auf Marets nacktem Körper in einem Rahmen aus Fiberglas wasserdicht mit Plexiglasscheiben versiegelt. Das von Hand bemalte Multiple soll nach Ende der Crowdfunding-Aktion diesen Sommer in einer Fabrik in Hangzhou in China gefertigt werden. Damien Hirsts Leute haben sich in Basel über die Aktion informiert. Bis heute kam aus dieser Ecke aber keine Reaktion. “Die juristische Komponente interessiert mich am meisten an diesem Projekt. Was ist Autorenschaft im heutigen Zeitalter?” Bevor sich Maret aber mit Hirsts Anwälten um urheberrechtliche Fragen streitet, plant er eine Serie. “Hirst comes first. Next up is Koons…”

DAMIEN HIRST FOR SALE als kleine Skulptur fürs Bad (EUR 185) und lebensgross für die Loft (EUR 15’000) ist bis Freitag, 7. Juli, um 16 Uhr auf WEMAKEIT erhältlich. Am 7. Juli soll in Shanghai eine Finissage stattfinden, und auf Ende September ist eine Vernissage in Zürich geplant.

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